Bundesverband ambulante spezialfachärztliche Versorgung e. V.
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FAQs, allgemeine Fragen zur ASV

Was bedeuten die „Qualitätssicherungsvereinbarungen nach §135 Abs. 2 SGB V“ für eine ASV-Anzeige?

In der vertragsärztlichen Versorgung über die KVen unterliegen bestimmte Leistungen einer Genehmigungspflicht. Das heißt ein Arzt darf die Leistung erst zu Lasten der GKV erbringen und abrechnen, wenn er eine Genehmigung dafür von seiner KV erhalten hat – auch wenn diese Leistung Teil seines Fachgebiets laut Weiterbildungsordnung ist. Die Voraussetzungen, um eine solche Genehmigung zu erhalten, sind in Qualitätssicherungsvereinbarungen nach §135 Abs. 2 SGB V geregelt. Das betrifft z.B. die Koloskopie oder eine Reihe bildgebender Verfahren wie Sonographie, Röntgen oder MRT. Eine Übersicht über alle bestehenden QS-Vereinbarungen ist auf der Seite der KBV zu finden: http://www.kbv.de/html/qs-vereinbarungen.php.

In den in der ASV abrechenbaren Ziffernkränzen sind nun solche genehmigungspflichtigen Leistungen enthalten. Da in der ASV die gleichen Qualitätsvorgaben gelten, sind diese mit der Anzeige durch die Ärzte nachzuweisen, die die betreffenden Leistungen in der ASV erbringen werden. Während Niedergelassene das relativ einfach über eine vorhandene Abrechnungsgenehmigung der KV bzw. durch einen Verweis auf ihre Arztregisterakte bei der KV erledigen können, müssen Krankenhausärzte das in der Regel zusätzlich durch Vorlage der einzelnen Nachweise belegen. Diese Belege sind dem Erweiterten Landesausschuss mit der Anzeige vorzulegen, nicht der KV. Verfügt ein Krankenhausarzt über eine Ermächtigung, die die genehmigungspflichtigen Leistungen umfasst, so kann er auch auf die KV-Arztakte verweisen.

Ein Tipp: Der ELA Hessen führt die Voraussetzungen sehr übersichtlich je Indikation in einem Dokument auf. Derzeit gibt es noch keine Übersicht für Rheuma, aber es ist zu erwarten, dass diese in Kürze hier zur Verfügung steht: http://www.asv-hessen.de/behandlungsfelder/

In der ASV gilt die 30-Minuten-Regelung, d.h. die Teammitglieder müssen in der Regel innerhalb von 30 Minuten vom Tätigkeitsort der Teamleitung erreichbar sein. Gilt das auch für Labor?

Grundsätzlich nicht. Fachgebiete im interdiziplinären Team, die ihre Leistungen nicht oder höchst selten direkt am Patienten erbringen, sind von der Regelung ausgenommen. Dies betrifft die Fachgebiete Laboratoriumsmedizin und Humangenetik.

Können Ärzte ins Team integriert werden, die weiter als 30 Minuten vom Tätigkeitsort der Teamleitung entfernt sind?

Grundsätzlich ja, denn der Erweiterte Landesausschuss hat bei der Definition der „angemessenen Entfernung“ Entscheidungsspielraum. So ist der Ort der Leistungserbringung des hinzuzuziehenden Arztes auch dann im Sinne der Richtlinie als (noch) angemessen vom Tätigkeitsort der Teamleitung entfernt anzusehen, wenn Ärzte der entsprechenden Fachgebiete innerhalb eines 30-Minuten-Radius nicht tätig sind und die ASV-Versorgung ohne den im Umfeld des Ortes der Teamleitung tätigen benannten Arzt im Ergebnis nicht möglich ist.

Können Leistungen abgerechnet werden, die zwar nicht im Appendix aufgeführt, aber medizinisch notwendig sind?

Grundsätzlich sind die Ziffern, die in der ASV abgerechnet werden können, abschließend definiert.

Krankenhäuser, die an der ASV teilnehmen, dürfen im Einzelfall weitere Ziffern ambulant abrechnen, die nicht im Appendix sind. Voraussetzung ist, dass die Leistungen in Zusammenhang mit der ASV-Erkrankung des Patienten stehen, im Krankenhaus erbracht werden und dem Patienten eine Überweisung in die vertragsärztliche Versorgung nicht zuzumuten ist (z.B. wegen langer Wartezeiten).

Vertragsärzte können diese Ziffern dann einfach im Rahmen der vertragsärztlichen Regelversorgung abrechnen.

In der Konkretisierung für rheumatologische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sind Gebührenpositionen für die Transition vorgesehen. Diese können durch Kinderrheumatologen abgerechnet werden. Können sie auch durch den Erwachsenenrheumatologen abgerechnet werden, der die Behandlung ab dem 18. Lebensjahr fortführt?

Nein. Derzeit ist die Abrechnungsmöglichkeit nur für den Kinderrheumatologen vorgesehen.

Viele Unterlagen, die der ELA im Rahmen der Anzeige anfordert, liegen für Vertragsärzte bei der zuständigen KV vor. Müssen diese trotzdem nochmals eingereicht werden?

In der Regel nicht. Vertragsärzte (auch ermächtigte Krankenhausärzte) können dem ELA per Kreuz auf der Anzeige Zugriff auf die KV-Arztakte geben. Dort vorhandene Dokumente und Informationen (z.B. Facharzturkunde, Approbation, Genehmigungsbescheide) müssen nicht nochmals eingereicht werden. Vorsicht: erstreckt sich Ihr Team über mehrere KV-Gebiete? Dann klappt dieser Zugriff nur für Vertragsärze aus dem KV-Bezirk, in dem der Teamleiter ansässig ist, d.h. bei dessen ELA die Anzeige eingereicht wurde. Vertragsärzte aus anderen KVen müssen die Unterlagen einreichen.

Die ASV-Richtlinie sieht vor, dass eine gemeinsame Sprechstunde angeboten werden muss. Wie ist das genau zu gestalten?

In der ersten Fassung der ASV-Richtlinie sah diese noch die zwingende Durchführung einer wöchentlichen gemeinsamen Sprechstunde des Kernteams vor. Dies wurde nun insofern entschärft, als nun diese nur noch angeboten werden muss. In den Tragenden Gründen heißt es: „Mit der sprachlichen Anpassung durch das Wort „anbieten“ soll (…) nochmals verdeutlicht werden, dass ein Mitglied des Kernteams nur dann zu dieser festgelegten Zeit am Tätigkeitsort der Teamleitung persönlich anwesend sein muss, wenn dort auch Patienten vorhanden sind, die dann speziell seiner Versorgung bedürfen. Das bedeutet, dass diePatienten die Möglichkeit erhalten, sich bei Bedarf zentral am Tätigkeitsort der Teamleitung zum einen über die geplante Diagnostik und Therapie bei den verschiedenen Kernteammitgliedern zu informieren. Zum anderen sollen ebenfalls anstehende Untersuchungen oder Behandlungen von mehreren Kernteammitgliedern durchgeführt werden können, ohne dass die Patienten mehrere Behandlungsorte aufsuchen und/oder mehrere Termine in Anspruch nehmen müssen.“

Aus unserer Sicht bedeutet dies nicht, dass Patienten durch das Kernteam ausschließlich im Rahmen der Sprechstunde betreut werden kann. Es ist ein Zeitfenster mindestens an einem Tag in der Woche (z.B. Mittwoch 14-16 Uhr) festzulegen, in dem die Kernteammitglieder bei Bedarf am Tätigkeitsort der Teamleitung zur Verfügung stehen. Die Anwesenheit ist dann erforderlich, wenn Patienten einer solchen gemeinsamen Sprechstunde bedürfen. In diesem Fall müssen dann natürlich auch nur die an der Behandlung beteiligten Ärzte vor Ort sein (z.B. wenn im Kernteam mehrere Ärzte einer Fachgruppe sind).

Bei onkologischen ASV-Indikationen kombinieren viele ASV-Teams diese Sprechstunde mit dem Tumorboard.

Muss ein Team im Rahmen der Anzeige belegen, dass jede einzelne Leistung im Appendix (Ziffernkranz) im Team vorgehalten werden kann?

Der G-BA hat in der ASV-Richtlinie vorgegeben, dass „die im konkreten Einzelfall jeweils erforderlichen ASV-Leistungen für die Versorgung der Patientinnen und Patienten innerhalb des ASV-Teams zur Verfügung stehen müssen“ (§ 5 Absatz 1 Satz 3 der ASV-RL). Die Tragenden Gründe stellen klar, dass die unter „2 Behandlungsumfang“ in den erkrankungsspezifischen Regelungen jeweils definierten Leistungen zur Diagnostik, Behandlung und Beratung vorzuhalten sind. Weiterhin heißt es: „Die Erfüllung der Voraussetzungen für sämtliche im Appendix definierten Einzelleistungen ist keine von den erweiterten Landesausschüssen zu prüfende Zulassungsvoraussetzung.“

Nach unserer Auffassung kann daher eine ASV-Anzeige nicht allein deshalb abgelehnt werden, weil das Vorhalten einzelner, im konkreten Fall für die Behandlung möglicherweise gar nicht erforderlicher GOPen als Zulassungsvoraussetzung nicht nachgewiesen werden kann.

Wir wissen jedoch, dass einzelne ELAs dies derzeit so handhaben und Anzeigen aus diesem Grund zurückweisen. Wir haben bereits Aktivitäten in die Wege geleitet, um dies zu lösen. Kurzfristig erscheint bei einem derartigen Vorgehen eines ELA nur der Rechtsweg möglich.

Kommt es zu Abschlägen bei Ziffern, die öfter abgerechnet werden, als es der EBM vorsieht, z.B. 33042?

Abrechnungshäufigkeit definiert der EBM (je Ziffer). Ist dort eine Leistung nur einmal im Behandlungsfall zulässig, dann gilt das auch in der ASV und die Leistung darf nur einmal je Quartal abgerechnet werden.

Sind mehrere Ärzte derselben Fachgruppe im Team, die in unterschiedlichen Institutionen tätig sind, dann können diese Ärzte Leistungen, die in ihrer Häufigkeit beschränkt sind, auch im selben Quartal nebeneinander abrechnen: dann führen die Kassen jedoch eine pauschale Kürzung von 10% durch.

Beispiel: Abdominalsonographie max. 2 x pro Behandlungsfall laut EBM
Onkologe im KH rechnet Leistung 2 x ab, zusätzlich Gastroenterologe nochmal, dann werden alle 3 Leistungen um 10% gekürzt

Kann ein KV-Arzt, der in der ASV tätig ist, bei einem Patienten sowohl ASV- als auch KV-Ziffern abrechnen - beispielsweise dann, wenn bestimmte Leistungen im ASV-Ziffernkranz nicht für die ASV-Abrechnung vorgesehen sind? Aktuelles Beispiel: nach derzeitigem Stand ist im Ziffernkranz für Rheuma keine Abrechnung von Laborleistungen durch den Rheumatologen vorgesehen.

Technisch gesehen könnte ein Vertragsarzt in der ASV bestimmte Leistungen für einen ASV-Patienten über die KV im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung abrechnen, um die fehlende Abrechnungsmöglichkeit zu umgehen.

Aber: grundsätzlich sind Teams verpflichtet, die „im Einzelfall notwendigen Leistungen im Team vorzuhalten“. D.h. sie müssen sie eigentlich im Rahmen der ASV erbringen und abrechnen. Die OIII-Laborleistungen können im Team auch im Rahmen der ASV erbracht werden –  bisher allerdings nur durch den Labormediziner.

Sollten die Kassen das prüfen, so könnten sie dies beanstanden. Es ist auch fraglich wie eine KV reagiert, wenn sie zu einem Patienten „nur“ Laborleistungen sieht, aber sonst keine weiteren Ziffern. Zusammengefasst: eine Lösung ist das nicht.

Ein Niedergelassener ist im interdiziplinären ASV-Team, das primär durch das Krankenhaus organisiert ist. Er ist zugleich als Honorar- oder Konsiliararzt für das Krankenhaus tätig. Wie erfolgt die Abrechnung?

Bei der Abrechnung ist zu klären, in welcher Konstellation Leistungen am Patienten erbracht werden. Wird der Patient im Rahmen der ASV behandelt und nimmt der Niedergelassene in seiner Eigenschaft als eigenverantwortlicher Vertragsarzt an der ASV teil, so rechnet er seine ASV-Leistungen direkt mit der Krankenkasse ab. Es gibt keine Vergütung des Niedergelassenen durch das Krankenhaus. Der Behandlungsvertrag kommt in diesem Fall auch zwischen dem Patient und dem Vertragsarzt zustande (für dessen Leistungen).

Bei ASV-Rezepten wird in der Codierleiste die „222222222“ eingetragen und die Betriebsstättennummer wird durch die ASV-Teamnummer ersetzt. Was ist mit der Arztnummer? Wird hier und bei anderen Verordnungen im Krankenhausbereich weiterhin die Pseudo-Arztnummer „999999900“ eingetragen oder wird hier die Fachgruppennummer verwendet, also die „555555nFG“ (n=Ordnungsnummer, FG=Fachgruppenordnung)?

Dazu gibt es in der Abrechnungsvereinbarung zwischen KBV, GKV-Spitzenverband und DKG folgende Regelung (§ 9 Abs. 5):
Die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte tragen die Arztnummer gemäß § 293 Abs. 4 Satz 2 Nr. 1 SGB V in dem Feld „Arzt-Nr.“ auf Vordrucke auf. Krankenhausärzte tragen abweichend davon dort eine Fachgruppennummer gemäß Anlage 3 auf. Im Rahmen der ASV dürfen nur Arzneiverordnungsblätter verwendet werden, bei denen in der Codierleiste die Nummer „222222222“ (9 x 2) eingedruckt ist.
Somit ist also die Fachgruppennummer zu verwenden.

Wie ist ein Rezept auszufüllen?

Bei der KBV gibt es dafür eine Ausfüllanleitung.

Wie und wann kann die Klinikapotheke Medikamente im Rahmen der ASV abgeben?

1. Kann eine Verordnung von einem Klinikarzt, der in der ASV ist, von der Krankenhausapotheke bezogen werden?

2. Gilt das für alle Medikamente oder nur für solche, die unmittelbar im Krankenhaus im Rahmen der ASV verabreicht werden (z.B. Infusion)?

3. Wann muss für die Offizinapotheke rezeptiert werden?

Das angesprochene Thema ist tatsächlich nicht eindeutig zu beantworten. Daher haben wir vor einigen Wochen auch eine Anfrage ans Bundesgesundheitsministerium (BMG) gestellt, allerdings noch keine Rückmeldung erhalten.

Müssen alte 116b Fälle in ASV Fälle überführt werden?

Ja, formal sind die Patienten als neuer Patient zu sehen, d.h. müssen wie ein Neupatient in die ASV aufgenommen werden. Dafür ist dann ggf. eine Überweisung durch den behandelnden Vertragsarzt notwendig, sofern der Patient nicht zufälligerweise stationär behandelt wird und dann ohne Überweisungserfordernis in die ASV aufgenommen werden kann.

Die Hinzuzuziehenden werden auf Überweisung tätig. Ist das auch der Fall, wenn Teamleiter und Hinzuzuziehende aus demselben Krankenhaus kommen?

Laut ASV-Abrechnungsvereinbarung gilt die vom Krankenhaus innerhalb desselben Quartals an demselben Versicherten zulasten derselben Krankenkasse vorgenommene ASV-Behandlung als Abrechnungsfall. Somit ist zwischen Ärzten eines Krankenhauses wohl keine Überweisung nötig. Wir klären aktuell noch, ob trotzdem in den Abrechnungsdaten ein Kernteammitglied per Fachgruppennummer als Zuweiser anzugeben ist.

Für Patienten aus dem stationären Bereich besteht kein Überweisungserfordernis in die ASV. Wo muss der Patient stationär gewesen sein?

Der Patient muss wegen der ASV-Erkrankung stationär im ASV-berechtigtem Krankenhaus gewesen sein.

Gilt der Entfall des Überweisungserfordernisses nur anfangs für zwei Quartale oder dauerhaft?

Laut ASV-Richtlinie entfällt das Überweisungserfordernis für Patienten, die im ASV-berechtigten Krankenhaus stationär behandelt wurden sowie für Patienten, die beim ASV-berechtigten Vertragsarzt zuvor in vertragsärztlicher Behandlung waren. Eine zeitliche Begrenzung dieses Entfalls ist nicht definiert. Wir gehen davon aus, dass somit dauerhaft keine Überweisung durch einen behandelnden Vertragsarzt in die ASV nötig ist.